Storytelling-Training

Ihr wollt Eure Fähigkeiten im Storytelling für Euer Organizing- oder Öffentlichkeitsarbeit ausbauen und braucht Support? Fragt uns gerne an. Wir bieten Beratung und Trainings an. Schreibt unserem ÖA-Team unter presse[a]movement-hub.org

Warum sollten wir unsere politischen Anliegen in Geschichten verpacken?

Egal ob Mieteninitiative, offenes Klimatreffen oder großes antirassistisches Bündnis: Jede gute Kampagne, politische Aktion und jede Organisierung braucht eine Strategie. Im Plenum diskutieren wir als Aktive, was wir wann mit wem tun und mit welchen Ziel – es ist eine Frage des Kopfes. Wenn wir aber wissen wollen, weshalb Menschen zu Kundgebungen kommen, mit ihren Kolleg*innen streiken, bei ihren Nachbar*innen klopfen und mit ihren Körpern fossile Energieträger blockieren, lautet die Frage: Warum? Diese Frage lässt sich nicht nur mit einer Strategie, sondern vor allem mit Erfahrungen, Erzählungen und Emotionen beantworten. Warum liegt uns das Anliegen am Herzen? Um etwas in die Hand zu nehmen, braucht es einen guten Plan und eine gute Strategie.

Hoffnung auf eine bessere Welt?

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland (55 %, vgl. Körber Studie) hat wenig bis kaum Vertrauen in die Demokratie. Dazu kommen teure Mieten, fehlende Sozialleistungen und teure Lebensmittel – nur einige Gründe für Selbstzweifel, Apathie, Ohnmacht und Angst. AfD und Rechte nutzen diese Gefühle aus und schüren mit einer Mischung aus Wut und Angst Hass gegen Migrant*innen, Geflüchtete und Queers (vgl. Marshall Ganz). Für einen gesellschaftlichen Wandel braucht es daher auch einen Rückbezug auf die Funktion von Emotionen und Werten: so kann beispielsweise Wut politische Apathie überkommen, aus Isolation Solidarität und aus Angst Hoffnung entstehen.


Wenn wir uns als Aktive überlegen, warum wir uns engagieren und zu unserem ersten Plenum gegangen sind, dann waren Statistiken vermutlich nicht unser einziger Antrieb. Vielmehr haben wir uns aufgrund von Werten wie Respekt oder Gerechtigkeit, Freund*innenschaft, ein Umweltbewusstsein oder unser Verantwortungsgefühl zusammen gefunden. Egal ob bewusst oder unbewusst, wir teilen anderen Menschen diese Werte immer wieder durch Geschichten mit. Zum Beispiel teilen wir Geschichten von erfolgreichen Aufständen gegen Bosse, von verhinderten Zwangsräumungen und Abschiebungen und langen Blockaden. Erzählungen sind dabei keinesfalls irrational, sondern informieren uns viel mehr darüber, welche Werte wir in uns, anderen und der Welt sehen. Die Verknüpfung von Geschichten formt unsere eigene und gemeinschaftliche Identität.

Ein Werkzeug zum Geschichten-Erzählen: Das Public Narrative

Eine gute Geschichte beginnt meistens mit einer*m Protagonist*in – beispielsweise einer Pflegerin, einem Aktivisten, eine*r Mieter*in oder einem Politiker. Jede*r von uns hat eine Geschichte, die uns zu dem Menschen macht, der wir sind. Jede*r von uns hat Momente erlebt, Herausforderungen gemeistert und sich entschieden, für etwas einzustehen. Das Public Narrative (entwickelt von Marshall Ganz, Link einfügen) kann Euch helfen, Geschichten zu entwickeln, um Reden auf Demonstrationen zu halten, Interviews zu führen oder Motivationsreden zu formulieren, bevor Ihr an Haustüren geht, Social-Media-Posts und -Videos erstellt oder auch (Agitations-)Gespräche macht.

Werteübung:

Bevor Ihr Eure Ich-Geschichte entwickelt, kann es helfen zurückzuschauen und genau zu beobachten, welche Werte Euch als Einzelpersonen in Eurem Leben geprägt haben.


Wertebeispiele angelehnt an die Arbeit von organizi.ng

Ich-Geschichte:

Um eine gute Ich-Geschichte zu erzählen – der erste Baustein des Public Narratives – braucht es daher zunächst eine konkrete Herausforderung, die Euch in Eurem Leben geprägt hat. Das kann eine teure Nebenkostenabrechnung, ein Hitzesommer, die Blockade eines Nazi-Aufmarsch oder auch eine rassistische oder sexistische Diskriminierung sein. Denkt eine Weile über diesen Moment nach. Teilt das, was Ihr teilen möchtet und überlegt, wer Euer Publikum Eurer Geschichte sein wird. Auf jede Herausforderung folgt eine Entscheidung. Erzählt, wofür Ihr Euch entschieden habt und warum. Entscheidungen zeigen, wer Ihr seid, entlang von welchen Werten Ihr handelt und was Euch wichtig ist. Jetzt fehlt nur noch zu erzählen, was aus Eurer Entscheidung geworden ist. Wie hat sich Euer Leben verändert? Was habt Ihr erreicht und wie hat Euch diese Erfahrung geprägt?

Jede gute Geschichte lebt von Spannung, von Bildern und von Emotionen. Gute Ich-Geschichten brauchen Übung.

Wir/ Hier&Jetzt – Geschichte:

Wir engagieren uns gegen Ungerechtigkeiten und für eine bessere Welt und das nicht alleine. Auf eine gute Ich-Geschichte baut daher eine Wir, hier und Jetzt Geschichte auf. Dafür helfen Euch die folgenden Fragen: Was war eine verändernde Herausforderung für Euch als Gruppe, als Nachbar*innenschaft, als Abteilung? Genauso wichtig: Was stellt zwischen Euch Gemeinschaft her, was verbindet Euch? Es ist eine tolle Aufgabe, um gemeinsam festzustellen, welche Erfahrungen Euch verbinden und warum Euch Eure Anliegen so wichtig sind. Damit Menschen ins Handeln kommen, sich bewegen, sich Euch anschließen, braucht es auch Dringlichkeit. Versucht, wenn Ihr über Eure Entscheidung sprecht, aktiv zu werden, zu erzählen, warum es genau jetzt wichtig ist, loszulegen und was die Handlungsmöglichkeiten für jede einzelne Person sind.

Hier könnt Ihr ein Arbeitsblatt downloaden, um Eure Geschichte alleine oder als Gruppe zu üben: